Vom Master zur Meisterin

Jungunternehmerin Katharina Koch im BZ-Fleischermeisterkurs

Es ist 5 Uhr wenn der Wecker im heimischen Calden klingelt. Viel Zeit bleibt nicht, um in der Landfleischerei Koch nach dem Rechten zu sehen und Bestellungen zu koordinieren – inzwischen Alltag nach der Übernahme des Familienbetriebes. Anschließend macht sich Katharina Koch auf den Weg ins Bildungszentrum Kassel (BZ), um mit den fachtheoretischen und -praktischen Teilen I und II des Meistervorbereitungskurses an ihrem Meisterbrief zu feilen.

Angekommen im BZ liegt bereits um kurz nach 8 Uhr ein leichter Bärlauch-Duft in der modern ausgestatteten Fleischerei-Werkstatt in der Luft. Fleischermeister und Ausbilder Wilfried Reinecke hat mit seinen neun Meisterschülern ausgefallene Gewürzmischungen für Bratwürste zusammengestellt. Es wurde getüftelt, verworfen und neu probiert. Denn eine simple Bratwurst herzustellen war gestern.

Ausbilder Reinecke sagt zu den Teilnehmer/-innen: „Als Fleischermeister muss man stets neue Ideen haben, man muss mutig sein und den Kunden regelmäßig etwas Neues anbieten. Das macht den Beruf so spannend, denn er ist gleichermaßen modern aber auch traditionell geprägt.“ Reinecke gibt sein Wissen bereits seit 10 Jahren mit Leidenschaft an die Fleischermeister und Umschüler im BZ weiter. Die Tradition im Fleischerhandwerk ist dabei stets präsent. Doch die Hightech-Maschinen im BZ und in den Fleischereien erleichtern die Arbeit heutzutage enorm.

Inzwischen ist es Mittag. Gleich werden Filets geschnitten und Braten mit ausgefallenen, selbst hergestellten Füllungen gerollt. Dann geht es um die Präsentation. Die Platten werden für Kunden ansprechend dekoriert, um die Fleisch- und Wurstwaren optimal zu präsentieren. Dabei kommt es besonders aufs Detail an.

Die Politik- und Kommunikationswissenschaftlerin, Katharina Koch, ist mit Eifer bei der Sache letzte Akzente zu setzen. „Das hat zwar gar nichts mit Politik in Berlin, Paris oder New York zu tun, aber ich kann mich hier absolut verwirklichen.“, sagt sie zufrieden. Nach dem Studium im Ausland standen ihr alle Türen offen, doch sie entschied sich für die Heimat und kam zurück nach Calden. „Irgendetwas hat mir immer gefehlt. Jetzt bin ich froh diesen Schritt gemacht zu haben. Am Ende des Tages sehe ich unmittelbar, was ich geschafft habe.“, so Koch.

Nach einer kleinen Pause geht es weiter im Programm. Regelmäßig stehen dabei auch Exkursionen in namenhaften Fachbetrieben des Fleischerhandwerks an – zum Beispiel bei der Firma Bedford in Osnabrück. Der Blick über den Tellerrand hinaus hilft den Teilnehmer/-innen fachlich weiter zu kommen, sie auf die Arbeit in der Praxis vorzubereiten und ist fester Bestandteil des BZ-Ausbildungskonzeptes.

Handwerk hat was
Trotzdem eilt der negative Ruf dem Handwerk bzw. dem Fleischerhandwerk häufig voraus – schlechte Bezahlung, lange Arbeitszeiten und von geringen Aufstiegsmöglichkeiten ist häufig die Rede. Doch diese Annahmen sind längst überholt. Die Karrierechancen sind so gut wie nie. Berufe im Handwerk sind krisensicher – Fachkräfte sind aber Mangelware. „Wer gut ist findet überall einen Job und wird auch entsprechend bezahlt.“, weiß Ausbilder Wilfried Reinecke.

„Ich kann es kaum erwarten den Meisterbrief in den Händen zu halten. Auch wenn das noch ein gutes Stück Arbeit ist.“, sagt Koch mit einem Schmunzeln im Gesicht. „Kein Tag gleicht dem anderen. Man kann seine Ideen umsetzen, sich verwirklichen und lernt immer wieder dazu. Das Fleischerhandwerk ist viel cooler und moderner als viele glauben. Ich liebe diesen abwechslungsreichen Beruf und freue mich jedes Mal, wenn ich den Weg bis zum Endprodukt begleiten und aktiv mitgestalten kann.

Ich würde jedem Handwerker empfehlen, ebenfalls Meister zu werden. Hier im Bildungszentrum werden uns alle notwendigen unternehmerischen Kompetenzen vermittelt, um einen Betrieb erfolgreich leiten zu können. Die deutsche Meisterqualifikation ist einem Bachelorabschluss gleichgestellt und international anerkannt. Als Meister hat man also viele Möglichkeiten. Handwerksmeister haben Zugang zum Studium an allen deutschen Hochschulen und können sich zudem zum Betriebswirt des Handwerks weiterbilden lassen. Nicht zuletzt trägt die Fortbildung im BZ auch zur Sicherung der Zukunft unseres Betriebes bei. Denn als Meisterin kann ich ausbilden und somit möglichst viele junge Menschen ebenfalls für diesen wunderschönen Beruf begeistern.“

Auch die anderen Meisterschüler/-innen sind von ihrem Beruf und der Ausbildung im BZ überzeugt. Besonders gut gefallen ihnen der Teamzusammenhalt während der Ausbildung, die tolle Ausbildungsatmosphäre und die moderne Werkstatt im BZ. Der Bereich der Fleischerei umfasst neben der Werkstatt mit allen gängigen, modernen Fleischermaschinen auch einen neu eingerichteten Verkaufsraum mit Küchen- und Kochzeile.

Der nächste Vollzeit Meistervorbereitungskurs zum Fleischermeister beginnt am 1. Juli 2019 im BZ Bildungszentrum Kassel.