BZ Kassel beteiligt sich am Projekt Wirtschaft integriert
Im Bildungszentrum Kassel hatten 18 Teilnehmer des Projektes Wirtschaft integriert in der Phase der Berufsorientierung drei Monate lang die Möglichkeit, mindestens drei Berufsfelder kennenzulernen. Dafür standen ihnen 15 Gewerke zur Verfügung, u.a. die Bereiche Elektrotechnik, Metallbau, Friseur, Holzbau, Betonbau, Schweißen, KFZ, IT und Büro. In dieser Zeit wurden sie sozialpädagogisch begleitet und erhielten Deutschunterricht. Die Werkstätten wurden in Kooperation mit der KFZ-Innung, dem Ausbildungszentrum der Bauwirtschaft (ASK) und der Werkakademie für Gestaltung Hessen angeboten. 14 Teilnehmer haben die Phase der Berufsorientierung bis zum Ende durchlaufen.
Das Landesprojekt Wirtschaft integriert besteht aus den Bausteinen Berufsorientierung, betriebliche Einstiegsqualifizierung und Ausbildungsbegleitung. Durchgängige Elemente der Förderung sind die berufsbezogene Sprachförderung, Lernunterstützung, Integrationsunterstützung und sozialpädagogische Begleitung.
Der 25jährige Mohammad Rafi Seddiqhi kam vor 10 Monaten alleine aus Afghanistan nach Deutschland. Seddiqhi hatte in seiner Heimat angefangen, Wirtschaft zu studieren, dann musste er fliehen. Im BZ Kassel lernte er im Rahmen der Berufsorientierung die Bereiche Schweißen, Metallbau, Elektrotechnik sowie den Bereich Heizung-, Sanitär und Klimatechnik kennen. Letzterer gefiel ihm so gut, dass er jetzt eine Ausbildung als Anlagenmechaniker für Heizung-, Sanitär und Klimatechnik anstrebt. Gerade arbeitet er bei der Firma Gruhn in Kassel zur Probe, dem soll sich eine „Einstiegsqualifizierung (EQ)“-Maßnahme anschließen. Ziel ist es, mit dem Betrieb einen Ausbildungsvertrag abzuschließen.
Die Teilnehmer des Projektes Wirtschaft integriert sind anerkannte Flüchtlinge, Asylbewerber mit Bleibeperspektive, geduldete junge Menschen ohne Arbeitsverbot sowie schon länger hier lebende Menschen mit Migrationshintergrund. Voraussetzung: Sie dürfen nicht älter als 27 Jahre sein.
Abdisamed-Osman Abdullahi kommt aus Somalia und lebt seit drei Jahren in Deutschland. Der 25jährige kam ebenfalls alleine und lebt nun in einem Heim in Vellmar. Im BZ war er während der Berufsorientierung in den Bereichen Metallbau, Industriemechanik und in der Holzbearbeitung eingesetzt. Das Arbeiten in der Metallbauwerkstatt machte ihm am meisten Spaß. „Ich habe im BZ sehr viel gelernt“, so Abdullahi, „und mein Ziel ist es jetzt, einen richten Beruf zu lernen.“ In Somalia hatte Abdullahi im Kleidungsgeschäft seines Onkels als Verkäufer gearbeitet, eine Ausbildung hat der 25jährige bisher nicht. Im August wird er ein zweiwöchiges Praktikum bei einem Kasseler Metallbaubetrieb machen. Anschließend soll ein EQ plus Jahr folgen.
Derzeit werden noch Unternehmen gesucht, die Praktikumsplätze, Plätze für EQ-Maßnahmen oder Ausbildungsplätze anbieten – für alle beruflichen Richtungen. Aufgrund der Förderungen entstehen für die Betriebe bei den EQ plus Maßnahmen keine Kosten, die Ausbildungsplätze werden mit bis zu 4.000 Euro pro Ausbildungsplatz vom Hessischen Wirtschaftsministerium bezuschusst. Interessierte Unternehmen können sich bei Felicia Westermann vom Verein für Sozialpolitik, Bildung und Berufsförderung e.V. (VSB) unter der Telefonnummer 0561 50726-39 oder per E-Mail felicia.westermann@vsb-nordhessen.de melden. Der VSB koordiniert das Projekt Wirtschaft integriert.
Am 2. September 2016 startet der zweite Durchlauf des Projektes.
Wirtschaft integriert ist ein Projekt des Hessischen Ministeriums für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung und wird gefördert aus Mitteln des Landes Hessen, des Europäischen Sozialfonds, der Agenturen für Arbeit sowie der Jobcenter. Kooperationspartner sind zudem die Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit, der Hessische Handwerkstag und die Arbeitsgemeinschaft der Hessischen Industrie- und Handelskammern. Derzeit wird das Projekt an 19 Standorten in ganz Hessen, von den Bildungseinrichtungen des Handwerks in Kooperation mit dem Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft e. V. durchgeführt.
Weitere Informationen über Wirtschaft integriert sind auf der Homepage www.wirtschaft-integriert.de zu finden oder über die Hotline unter 06421-30493-285 erhältlich.

