Zwischen Prüfungsstress und Perspektivwechsel
Wie wichtig eine gute Ausbildung ist und wie man diese unterstützen kann, merkt man oft erst dann, wenn man beide Seiten kennt. So erging es Eileen Köpper während des IHK-Ausbilderlehrgangs am Bildungszentrum Kassel. Sonst als Seminarsachbearbeiterin im Elektro-Bereich besuchte Eileen/Frau Köpper letztes Jahr zwei Wochen den Vollzeit-Lehrgang im Haus.
Eileen selbst absolvierte nach ihrem Realschulabschluss eine Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement. Auf den Beruf aufmerksam geworden sei sie damals durch eine Freundin. Rückblickend habe sie in ihrem Ausbildungsbetrieb schnell gemerkt, wie wichtig gute Betreuung und Kommunikation in einer Ausbildung sind. „Vielleicht wollte ich es deshalb später selbst besser machen“, erzählt sie.
Zurzeit begleitet sie Chantal Junghans, die aktuell im zweiten Lehrjahr als Kauffrau für Büromanagement ist und von Eileen im Bereich Seminarsachbearbeitung eingearbeitet wurde. Während Eileen ihren AdA-Schein absolvierte, befand sich Chantal parallel mitten in ihrer eigenen Prüfungsphase. „Wir standen beide gleichzeitig unter Strom.“ Gerade dadurch habe man sich gegenseitig gut verstanden und unterstützen können.
Besonders spannend findet Chantal bisher den Bereich Personalwesen. Perspektivisch wird sie außerdem noch weitere Abteilungen wie Marketing, Rechnungswesen und die Assistenz der Geschäftsführung kennenlernen.
Die Entscheidung für den Ausbilderschein fiel bei Eileen bewusst. Anfangs habe sie zwar Respekt vor der Aufgabe gehabt, mit der Zeit sei aber vor allem die Motivation gewachsen, Auszubildende besser begleiten zu können. Besonders die tägliche Zusammenarbeit mit Chantal habe dabei eine Rolle gespielt.
Den Vollzeit-Expresskurs beschreibt Eileen als intensiv, aber sinnvoll strukturiert. „Es war sehr viel Stoff in kurzer Zeit, aber die klare Struktur hat geholfen.“ Die Atmosphäre im Lehrgang sei gleichzeitig professionell und entspannt gewesen. Auch wenn sie als Mitarbeiterin des Bildungszentrums selbst Teilnehmerin war, habe das für die Gruppe kaum und für den Dozenten gar keinen Unterschied gemacht. „Den Druck macht man sich eher selbst.“ Für die Prüfungsvorbereitung fanden beide schnell passende Wege. Neben klassischen Unterlagen nutzte Eileen unter anderem die IHK-App und bereitete sich bereits vor Lehrgangsbeginn mit ersten Übungen vor.
Besonders wertvoll sei für beide der Perspektivwechsel gewesen. Chantal bekam einen Einblick darin, welche Verantwortung hinter der Rolle einer ausbildenden Person steckt. Für beide wurde wiederholt deutlich, dass Ausbildung weit über Fachwissen hinausgeht. Kommunikation auf Augenhöhe, soziale Kompetenzen und ein gutes Miteinander seien heute mindestens genauso wichtig.
Was gute Ausbildende ausmacht, beantworten beide ähnlich: Verständnis, respektvolle Kommunikation und eine angenehme Atmosphäre. „Man möchte ernst genommen werden und trotzdem entspannt miteinander umgehen können“, sagt Chantal.
Den IHK-Ausbilderschein empfiehlt Eileen besonders jungen Fachkräften, möglichst zeitnah nach der eigenen Ausbildung. Sie selbst absolvierte den Lehrgang etwa eineinhalb Jahre nach ihrem Abschluss und war mit 23 Jahren die jüngste Teilnehmerin ihres Kurses.
Und Chantal? Die kann sich durchaus vorstellen, später selbst einmal auszubilden. Vielleicht sogar nach einer Weiterbildung zum Fachwirt. Denn eines wurde beiden durch den Lehrgang besonders klar: Gute Ausbildung bedeutet vor allem, Menschen mitzunehmen und gemeinsam zu lernen und miteinander zu wachsen.